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Stuhl 3100 und Hocker 3170

Bild
© Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht

Schichtholz gepresst mit Stahlgestell
Hersteller: Fritz Hansen, Dänemark
(ca. DM 100,00 bzw. DM 45,00; Mitte der 1970er Jahre)

Wer sich einrichten will, braucht Möbel, und jeder richtet sich früher oder später irgendwo ein, zumeist in Etappen, zuerst meist im Elternhaus, dann eigenständig. Für manche ist es ein Lebensprozess. Für diesen Prozess, in den ein großer Teil des Volksvermögens fließt, werden wir im Allgemeinen nur sehr ungenügend vorbereitet. Zumeist auf Umwegen über Irrtümer, damit falsch ausgegebenes Geld, nähern wir uns irgendwelchen vagen Vorstellungen, wie man wohnen könnte oder wollte.

Vor einem Möbelkauf sollte man vielleicht zuerst die Fragen an sich richten: Was brauche ich? Was passt zu mir? Was ist meiner Situation angemessen? Beantwortet man diese Fragen aufrichtig, so wird man sich wahrscheinlich eine Menge Ärger und Geld sparen; denn eigentlich braucht man gar nicht sehr viele Möbel; als junger Mensch ganz gewiss nicht, denn ein Bett, ein paar Stühle, ein Tisch und irgendwelcher Stauraum genügen. In möblierten Zimmern findet man diese Möbel zumeist vor; mietet man jedoch ein Leerzimmer oder eine leere Wohnung, dann wird man mit dem Problem und den oben angeschnittenen Fragen konfrontiert. Man kann nun das Problem auf unterschiedlichsten Wegen lösen. Zum Beispiel, indem man zu irgendwelchen Gebrauchtwarenhändlern geht und sich das Notwendigste um geringes Geld zusammensucht. Man kann improvisieren, davon ausgehend, sich irgendwann später das Richtige zu kaufen. Man kann aber auch beginnen, aus dem Angebot das für die Lebensphase Angemessene herauszusuchen. Dabei lernt man sehr viel kennen, so beispielsweise Materialverarbeitungen, Preisrelationen, Materialqualitäten, Geschäftsgebaren, Erfordernisse, Funktions- und vielleicht sogar Formfragen. Bei diesem Prozess formt sich der Mensch. Er entdeckt neue Bereiche, und er lernt am schnellsten durch Verluste, eventuell durch das falsch gekaufte Stück.

Die beste Voraussetzung, um Verluste und Ärger zu vermeiden, sind Kenntnisse. Durch sie wird man auch im Bereich des Einrichtens unabhängig von Beeinflussung und damit frei, seine eigene Meinung, sein eigenes Wesen auch mit Hilfe der uns umgebenden, unserer Wahl unterliegenden Dinge auszudrücken. Wer gut und preiswert kaufen will, braucht zwar etwas mehr Zeit, kann aber letztlich durch erworbene Erfahrung und mehr Wissen besser als nur teuer kaufen.
Diese Diareihe über Sitzmöbel gibt für die Auswahl einige Hinweise. Dabei muss immer davon ausgegangen werden, dass „preiswert“ nicht mit „billig“ gleichzusetzen ist. Preiswert bedeutet vielmehr, den Preis in Relation zur Produktleistung, zur materialmäßigen, funktionalen und formalen Qualität zu beurteilen. Ein sehr billiger Stuhl, der funktional oder materialmäßig unzulänglich ist, kann letztlich teurer sein als ein im Preis höher liegender, weil er rascher ersetzt werden muss; und dennoch gibt es in Möbeldiscountläden und Warenhäusern oft ungewöhnlich preisgünstige Angebote. So sind beispielsweise die auf den Bildern 1 und 2 abgebildeten Möbel (Klappstühle) so preisgünstig, dass selbst der dafür erforderliche Holzkauf teurer käme, ohne Berechnung der Arbeitszeit. Das ist nur durch gewaltige Auflagen und unter Umständen durch Anreizpreise möglich. Diese Möbel sind formal anspruchslos, aber durchaus auch in den Proportionen akzeptabel. Je nach Art des Sitzmöbels, ob Stuhl oder Sessel, werden natürlich Unterschiede auch preislicher Art bestehen müssen. Ebenso werden sich preisliche Unterschiede zwischen in Großserien erzeugten und nur in geringer Stückzahl gefertigten Möbeln ergeben. Hier beginnen die subjektive Entscheidung und die individuelle Ausprägung. Generell scheint es aber heute noch durchaus möglich, Stühle, Sessel oder Hocker verhältnismäßig preiswert zu erwerben und selbst bei relativ geringem materiellem Aufwand eine Wohnung qualitativ gut und individuell einzurichten.

Einstelldatum: September 2008