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Arts and Crafts Bewegung

Es liegt im Wesen der gigantischen industriellen Dynamik des 19. Jahrhunderts mit ihren negativen sozialen Folgen (Landflucht, Auswanderung, Verarmung, Hungerperioden, städtische Elendsquartiere), dass sozialpolitisch motivierte Gegenbewegungen zur Verdrängung der arbeitsintensiven handwerklichen Produktionsweise nicht ausbleiben konnten. Stellvertretend für die damaligen miserablen sozialen Zustände in vielen traditionellen Handwerksberufen beklagt Gerhard Hauptmann in seinem Drama „Die Weber“ die pressierenden Nöte eines bedrängten, sich auflösenden Berufsstandes. Maschinelle Textilproduktion ersetzte die meist in in unzähligen Heimwerkstätten betriebenen Webstühle. Dies alles ereignete sich in einer Zeit, als man es in Preußen als großen Fortschritt feierte, als das Mindestalter für Bergwerksarbeiter auf neun Jahre heraufgesetzt wurde.


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Riemerschmid Stuhl 1898

Die Welle der Reformbewegungen geht von England aus. Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh. von dort ausgehende Arts & Crafts-Bewegung ist zwar als folgenreicher, doch zugleich letztlich erfolgloser, Versuch zu werten, eine nationale Debatte um das Verhältnis von künstlerischen Anteilen an der industriellen Produktionsweise in Gang zu setzten. Ihr Protest richtete sich zunächst vor allem gegen den Verlust des künstlerischen Einflusses auf die Warenproduktion, denn die billig und lieblos gefertigten Alltagsgegenstände, die nun stilimitierend und zugleich Massengeschmack beeinflussend den Markt überschwemmten, waren den Reformern ein Dorn im Auge. Wichtigster Impulsgeber war William Morris (1834-1896), der eine Rückkehr zu solider handwerklicher Solidität, Materialgerechtigkeit und gediegenen, möglichst aus Naturmaterialen abgeleiteten Gestaltungslösungen propagierte. Mit seinem Tradition und Werten verpflichteten Glaubenssatz „Als Lebensbedingung ist alle Maschinenproduktion von Übel“ wollte er einen revidierten Blick auf die Bedeutung herkömmlicher Produktionsweisen anregen, - im Ergebnis blieben die Produkte jedoch auf Grund ihrer viel zu hoher Kosten außerhalb jeder Konkurrenz. Morris`qualitative Anforderungen an Gebrauchsgegenstände blieben angesichts technisch noch begrenzten Fertigungsmöglichkeiten in jener Zeit kaum umsetzbar. Angesichts der Tatsache einer sich immens ausbreitenden rationalen Maschinenwelt wird Morris von vielen Kritikern als weltferner Romantiker eingestuft, der auf verlorenem Posten steht. 

Dennoch wird Morris gemeinsam mit John Ruskin (1819-1900) unbestritten als geistiger Vorkämpfer einer sozialen Verpflichtung des Produktdesign angesehen, vor allem, weil er Erzeugnisse nicht isoliert auf die monetären Vorteile ihrer Erzeugung, sondern im komplexen humanen Herstellungs- und Gebrauchskontext betrachtete. Beiden ging es um die Ganzheitlichkeit von Herstellung und Gebrauch der Dinge, das Prinzip der zerstückelnden Arbeitsteilung, wie sie später im Taylorismus folgenreich zum Ausdruck gelangte, lehnten sie konsequent ab. Die Ausstrahlungskraft ihrer Anregungen und Kritik darf also keineswegs als folgenlos angesehen werden. „Morris löste eine Reformwelle aus, die später auch Deutschland erreichte, wo die Industrialisierung erst nach der Reichsgründung 1871 eingesetzt hatte. Auch die deutschen Hersteller erkannten, dass gut gestaltete Industriegüter ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor waren: Man studierte das englische Ausbildungssystem, um dann die Kunstgewerbeschulen zu reformieren. Eine ganze Generation von Malern begriff nun die angewandten Künste als wichtigste Aufgabe. Die Dresdner Werkstätten (1898), deren Maschinenmöbel Richard Riemerschmid entworfen hatte, sind das bekannteste Beispiel zahlreicher Werkstättengründungen auf deutschem Boden. In Österreich entstand 1903 die Wiener Werkstätte, deren bedeutendste Vertreter Josef Hoffmann und Koloman Moser waren.“
(Zitat siehe Website: http://www.bauhaus.de/bauhaus1919/vorgeschichte1919.htm )

© Werner Stehr

Quellen:
Wilhelm Braun-Feldweg: Arts and Crafts
William Morris: Wie wir leben und wie wir leben könnten

Einstelldatum: September 2008